Pressearchiv 2013

Eine Abfuhr für die Schönheit 24.10.13
Den Vestischen Künstlerbund inspiriert in seiner Jahresschau das Hässliche
Von Bernd Aulich
RECKLINGHAUSEN. Muss Kunst schön sein? Mitnichten. Seit Beginn der Moderne erst recht nicht. Die aufs Erhabene zielende Forderung des Klassizisten Winkelmann nach edler Einfalt und stiller Größe gilt schon lange nicht mehr. Auf solch überhöhte Schönheit pfeift der Vestische Künstlerbund denn auch.

„Hässlich“ nennt er das Thema seiner Jahresschau im Kutscherhaus in Recklinghausen. Wohl wissend, dass sich geistiger Gehalt in der Kunst heute nicht unbedingt, wie der Philosoph Hegel wähnte, nur in der sinnlichen Gestalt des Schönen offenbart.

Aber was ist das Hässliche in der Kunst? Da beginnen für die unter 23 Bewerbern ausgewählten 18 Künstler, darunter vier Gäste, die Probleme einer präzisen Definition. Gilt es, das Hässliche darzustellen, vielleicht gar bloßzustellen? Darf gar die Form ins Hässliche abdriften?

So wie bei Peter Witucki, der in „Brutal Beauty“ weiße Quadrate bewusst ungelenk schraffiert und dann die Fläche aufkratzt. Hier erweist sich das Hässliche als Akt der Zerstörung. Das Paradoxe des Hässlichen untersucht Karel Studnar mit scharfsinnigem Revier-Bezug in seinen Materialbildern aus rostigen Metall-Fundstücken und Drähten. Sie verweisen auf die besondere Aura der Relikte der Montanindustrie. Wer genau hinschaut, entdeckt eine Patina subtiler Farben und damit das Schöne im vermeintlich Hässlichen.

Das Hässliche als Verfall spürt Beate Hagemann mit einer Schale winzig geschrumpelter Birnen auf. Wie Heidi Meier über das Hässliche sinniert, demonstriert nicht nur die Überzeichnung dieses Wortes sondern auch eine Tonaufzeichnung.

Die beiden raffiniertesten Beiträge stammen von zwei Künstlerinnen aus Dortmund, die als Gäste eingeladen wurden. „Wachsende Kultur“ nennt Anja Maria Strauss ironisch eine Wandinstallation, die von weitem aussieht wie Schwammbefall. Tatsächlich erweisen sich die Schwämme als filigrane Pollenbündel. Hier kehrt sich das Hässliche ins Schöne. Wackelbildern für Kinder hat Alexandra Breitenstein ihre großformatigen Porträts eines Mannes und einer Frau aus der Serie „working class zombies“ nachempfunden. Die Zombie-Fratze offenbart sich dem Betrachter erst, wenn er sich an den Bildern vorbei bewegt.

Dass sich heute am ehesten Kitsch als Abgrund des Hässlichen erweist, deutet Ilse Hilpert an. Ihre schrillen Objekte aus Knabberteilen für Hunde wirkt in der Fülle des Hässlichen geradezu bizarr.

Zur Eröffnung zerbricht sich eine Jury den Kopf darüber, wer den schönsten Beitrag zum Hässlichen geliefert hat. Dafür gibt's den mit 1500 Euro dotierten Preis des Vestischen Künstlerbundes.

www.vestischer-kuenstlerbund.de

„Hässlich“ –- Jahresschau des Vestischen Künstlerbundes im Kutscherhaus Recklinghausen, Willy-Brandt-Park 5, Eröffnung Freitag, 19.30 Uhr. Bis 24. November freitags 15-18 Uhr und an Wochenenden 13-17 Uhr. Am Sonntag, 10. November, findet um 15 Uhr außerdem eine Führung für Familien statt.

RZ 17.10.13

Künstlerbund im Torhaus

RE/DORTMUND. „Variationen mit Plan“ zeigt der Vestische Künstlerbund vom 20. Oktober bis 10. November im Torhaus Rombergpark in Dortmund. 16 Künstler sind in der Ausstellung in der Städtischen Galerie vertreten. Zur Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr spricht Museumsdirektor Prof. Ferdinand Ullrich. Die Ausstellung markiert den Auftakt einer neuen Zusammenarbeit. Ein Gegenbesuch der Dortmunder Gruppe ist 2014 im Kutscherhaus geplant.

 

RZ 25.9. 2013

Kennenlernen in Dordrecht

Vestischer Künstlerbund plant gemeinsame Aktion zur 40-jährigen Städtepartnerschaft

RECKLINGHAUSEN. (tib) Im nächsten Jahr besteht die Städtepartnerschaft zwischen Recklinghausen und Dordrecht seit 40 Jahren. Mit einer gemeinsamen Aktion wollen sich auch Künstler beider Standorte an den Feierlichkeiten zum runden Geburtstag beteiligen.

Eine erste Kontaktaufnahme fand jetzt beim Tag des Denkmals in Holland statt. Gemeinsam mit anderen Recklinghäusern schlossen sich Mitglieder des Vestischen Künstlerbundes einer Tagesfahrt nach Dordrecht an, die von Brücke-Chefin Carmen Greine organisiert wurde.

Während die anderen Teilnehmer auf den historischen Spuren der Stadt wandelten, besuchten Gudrun Kattke und ihre Vorstandskollegen das Künstlerhaus ,Pictura’ in Dordrecht. „Ein tolles Haus mit wunderbaren Künstlern und spannenden Projekten“, schwärmt die Vorsitzende des Vestischen Künstlerbundes. Nach dem ersten Beschnuppern sollen weitere Treffen folgen. „Vielleicht kommen schon die ersten holländischen Kollegen zu unserer diesjährigen Ausstellung zum Kunstpreis 2013 Ende Oktober nach Recklinghausen.“ Das große Ziel sei dann, im Sommer 2014 ein gemeinsames Projekt in der Festspielstadt zu zeigen.

Der letzte Austausch mit Dordrechter Künstlern fand 1988 statt. Im Jahre 2003 arbeitete der Vestische Künstlerbund mit Kollegen aus der polnischen Partnerstadt Bytom zusammen.

RZ 23.9.2013

Auf ein Wort

von Tina Brambrink

Geballte Kreativität

So geballt und vielseitig wie an diesem Wochenende präsentiert sich die Recklinghäuser Kunstszene selten. Wer neue Kunstorte entdecken oder einfach nur auf dem Laufenden bleiben will, was in den Kreativwerkstätten passiert, sollte sich bei den Atelier- und Galerietagen auf den Weg machen. Von Heimatmalerei über Textil- und Trashkunst bis zu Bildhauerei und Schmuckdesign reichte das breite Spektrum. Freie Künstler, Freizeitkünstler, Mitglieder des Vestischen Künstlerbundes etc. nutzten die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen. Auswärtige Gäste sorgten für zusätzliche Hingucker, das „Bunte Haus“ machte sein eigenes Programm. „An diesem Wochenende sind wir alle einfach Künstler, über Qualität und Gefallen und Nichtgefallen entscheidet der Besucher“. Recht hat Malerin Andrea von Bardeleben. Denn es geht um die Kunst – und um gegenseitigen Respekt.

Dass sich Kunsträume und Stadträume mit dem sehenswerten Projekt „verortet“ des Vestischen Künstlerbundes kreuzten, war das Tüpfelchen auf dem i. Von solchen Synergien profitieren am Ende alle – Besucher und Künstler.

 

RZ 18.9.2013

Sechsmal Kunst mitten in der Stadt

Eröffnung am Sonntag in der Kunsthalle
VON TINA BRAMBRINK
RECKLINGHAUSEN. Leise schaukeln die zarten Kokons im Wind. Für einen Moment beginnt die Neonfarbe zu leuchten. Je nach Lichteinfall setzen sich die Gebilde aus Foliendraht vom Grün der Bäume ab.

„Verpuppt“ nennt Ilse Hilpert ihre sechsteilige Installation im Stadtgarten vorm Ruhrfestspielhaus – für die Künstlerin ein Sinnbild für die Verbindung von Natur und Kultur am Fuße des Musentempels. Die Waltroperin ist eine von sechs Künstlerinnen und Künstlern des Kunstprojektes „verortet“, das am Sonntag, 22. September, um 15 Uhr in der Kunsthalle eröffnet wird. In Kooperation mit der Stadt und finanziert durch die Stiftung „Ruhr.2010“, gestaltet der Vestische Künstlerbund bis zum 20. Oktober sechs Plätze rund um die Innenstadt mit verschiedenen Arbeiten.

Die Kunst soll den Orten ein neues Gesicht geben, zum Hinsehen einladen und zum Bleiben. „Aufgabe der sechs Künstler, die wir aus 40 Bewerbungen ausgewählt haben, war es, die historischen, städtebaulichen und kommunikativen Aspekte der Orte aufzugreifen“, erklärt Gudrun Kattke, Vorsitzende des Vestischen Künstlerbundes.

Katrin Wegemann etwa wird am Eröffnungstag gegen 16 Uhr eine Performance am Alten Friedhof am Lohtor zeigen. 45 Minuten lang spielen ein Jongleur, eine Tänzerin und Flötisten mit Luft. „Ich habe ein sehr sensibles Spiel mit dem Ort des Friedhofs choreografiert“, erklärt die Hertenerin. Nach der einmaligen Vorstellung ist das begleitende Video bis zum Projektende im Foyer der Kunsthalle zu sehen. Parallel zur Kunst im öffentlichen Raum werden hier auch weitere Entwürfe zu den einzelnen Arbeiten gezeigt.

Nach der Eröffnung am Sonntag startet ein kurzer Rundgang zu allen Kunstwerken. Auch an den darauffolgenden Sonntagen wird Kunsthistorikerin Simone Fechner jeweils ab 11 Uhr Kunstfreunde führen.

RZ 5.6. 2013

Kunst bespielt historische Stadträume

„Verortet“: Ausschreibung für temporäres Ausstellungsprojekt in Recklinghausen

VON TINA BRAMBRINK

RECKLINGHAUSEN. „Verortet – Stadträume, Naturräume, Kunsträume“ heißt ein spannendes temporäres Ausstellungsprojekt, das an die Recklinghäuser Kunstmeile anknüpft und der Festspielstadt im Herbst eine weitere Schau im öffentlichen Raum beschert.

Der Vestische Künstlerbund hat das von der Stiftung Ruhr.2010 geförderte Projekt jetzt in Kooperation mit der Stadt ausgeschrieben. Vom 22. September bis 20. Oktober sollen Künstlerinnen und Künstler aus dem Ruhrgebiet sechs Stadträume mit ihren Arbeiten bespielen, allesamt historisch gewachsene Orte der Stadtentwicklung. Die künstlerischen „Markierungen“ sollen die Orte mit ganz unterschiedlichen Mitteln befragen und neu erlebbar machen.

25 000 Euro stehen für die temporäre „verortete“ Kunst im Recklinghäuser Stadtbild zur Verfügung. „Alle Sparten von der klassischen Bildhauerei über Aktionskunst bis zu Performances sind denkbar“, sagt Heidi Meier. Voraussetzung sei jedoch der thematische Bezug zum Standort, betont die zweite Vorsitzende des Vestischen Künstlerbundes.

Alle „örtlichen Zellen“ in unmittelbarer Nähe des Stadtrings werden durch das Projekt vernetzt und sollen auf die Recklinghäuser Skulpturenmeile auf einer alten Zechenbahntrasse von der Friedrich-Ebert-Straße bis zum Hellbach verweisen. Wie berichtet, konnte der Berliner Künstler Michael Sailstorfer diesen Wettbewerb mit beleuchteten „Mückenhäusern“ für sich entscheiden. Fünf seiner überdimensionalen Lampenskulpturen werden entlang des Rad- und Wanderweges postiert.

Bewerbungsschluss für das Projekt „Verortet“ ist am 9. Juli. Wenige Tage später wird eine unabhängige Jury sechs Teilnehmer und damit sechs von acht vorgeschlagenen Orten – darunter der Erlbruchpark am Rathaus, das Polizeipräsidium, der Alte Friedhof am Lohtor, der Teich am Europaplatz etc. – auswählen.

Parallel zur Open-Air-Ausstellung präsentiert die Recklinghäuser Kunsthalle alle Entwürfe und Modelle. Der Museumsbunker wird auch der zentrale Infopunkt für Führungen, Kartenmaterial etc..

 

Künstler aus der Region können sich ab sofort mit Skizzen, Fotos und Modellen bewerben beim Vestischen Künstlerbund, c/o Kunsthalle RE, Große-Perdekamp-Straße, 45657 Recklinghausen oder per Mail an info@kuenstlerbund.de. Weitere Infos bei Projektmanager Guido Röcken, 0152/53519606